Einführung
Die systemische Ebene in Unternehmen
Was Organisations-Aufstellungen leisten können
Welche Probleme sie lösen können
Die systemische Ebene in Unternehmen
In Unternehmen bzw. im beruflichen Alltag gibt es immer wieder Probleme, die weder eine eindeutige Ursache haben, noch mit den üblichen Mitteln gelöst werden können. Da werden gegenseitig Minuspunkte gesammelt, Fußangeln gelegt, Informationen zurückgehalten, da wird gemobbt und um des eigenen Vorteils willen getrickst und geschummelt. Animositäten, Missverständnisse und unausgesprochene Vorwürfe ziehen sich durch alle Hierarchieebenen, und Missachtung, Übergriffe und stille Verweigerung machen selbst vor der Vorstandsetage nicht halt. Darunter leidet nicht nur das Betriebsklima, sondern es hat auch wirtschaftliche Folgen.
Unternehmensberater schätzen, dass 70% aller gescheiterten Projekte auf zwischenmenschliche Querelen zurückzuführen sind. Die Probleme äußern sich meist in Form atmosphärischer Störungen, denen weder mit klärenden Gesprächen, noch mit Trainingsmaßnahmen beizukommen ist. Und dafür gibt es einen Grund: für die Lösung einer bestimmten Kategorie von Problemen sind die üblichen Maßnahmen einfach nicht geeignet. Denn ob es nun klärende Gespräche, bewußte Verhaltensänderungen oder Trainings sind, diese Maßnahmen zielen schwerpunktmäßig auf Veränderung des Individuums, um Konflikte zu lösen, die auf einer völlig anderen Ebene entstanden sind: auf der systemischen Ebene des Unternehmens.
Denn wir Menschen sind soziale Wesen und verbringen den überwiegenden Teil unseres Lebens in den unterschiedlichsten Bezugsgruppen oder Systemen: Familie, Schule, Kindergarten, Freundeskreise, die selbst gegründete Familie, Vereine, Parteien, und nicht zuletzt die Firma in der wir arbeiten. Unsere Welt ist voller Systeme, und wir sind ein Teil dieser Systeme. Aber Systeme haben eine fatale Eigenschaft: sie funktionieren nicht so, wie wir wollen, sondern wir funktionieren, wie sie wollen. Die Gesetze nach denen sie funktionieren, können wir nicht außer Kraft setzen oder beherrschen, wir können uns ihnen nur anpassen. Solange uns das nicht bewußt ist, haben wir wenig Handlungsmöglichkeiten.
Was Organisations-Aufstellungen leisten können
Mit dem Instrument Organisations-Aufstellungen können Störungen von Systemen sichtbar gemacht werden. Organisations-Aufstellungen bilden ein System als Ganzes, als Beziehungsmuster zwischen allen Mitgliedern ab, und bringen in kürzester Zeit entscheidende Informationen über die Ursachen von Konfliktstrukturen und Dynamiken in Unternehmen, Abteilungen und Geschäftsbeziehungen ans Licht, die mit gängigen Methoden nicht zugänglich sind. Sie sind ein Instrument, das präzise Aussagen über die systemischen Ursachen von Fehlentwicklungen zuläßt und dauerhafte Veränderung möglich macht.
Denn ist die Ursache von problematischen Situationen erst einmal erkannt, ergeben sich daraus auch Lösungen. Mit diesem Leistungsspektrum erreichen Organisations-Aufstellungen eine völlig neue Beratungsqualität im Business-Bereich. Neben dem diagnostischen besitzen sie zusätzlich einen prognostischen Wert. Sie lassen Vorhersagen über die Wirkung von Maßnahmen zu. Da sich Aufstellungen im Übrigen für sämtliche Arten von Organisationen eignen, seien es Unternehmen, Behörden, Institutionen, Vereine oder Netzwerke, eröffnen sie nahezu unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten.
Bis heute sind systemische Aufstellungen die einzige bekannte Möglichkeit, ein System als Ganzes zu betrachten. Statt nur die Kommunikations- und Verhaltensmuster zwischen einzelnen Systemmitgliedern zu betrachten, gestattet die Aufstellungsarbeit einen Blick auf das ganze System - seine generellen Beziehungsstrukturen und Gesetzmäßigkeiten. So können Konflikte gelöst werden, die sich den üblichen Interventionen auf der Kommunikations- oder Verhaltensebene entziehen. Der Gedanke lag also nahe, die Methode Aufstellung für den Businessbereich zu modifizieren, und sie für die Lösung beruflicher Probleme und Konflikte, und damit in gewisser Weise auch wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Welche Probleme Organisations-Aufstellungen lösen können
Organisations-Aufstellungen eignen sich generell für alle Problemsituationen, die chronisch erscheinen und keine nachvollziehbaren Ursachen haben. Probleme also, die sich eher unter dem Begriff Atmosphärische Störungen einordnen lassen. Sie arbeiten in zwei Schwerpunktbereichen: auf der Ebene des einzelnen Systemmitglieds und auf der Unternehmensebene.
Auf der Unternehmens-, Vereins- oder Gruppenebene:
- wiederholte Trainingsmaßnahmen, die nicht den gewünschten Erfolg bringen
- Motivationsprobleme
- hohe Fluktuation und Krankheitsraten von Mitarbeitern
- problematische Beziehungsstrukturen bzw. Arbeitsbeziehungen
- Führungsprobleme
- Problematische Kundenbeziehungen
- Überprüfung von Aufgaben- und Zielorientierung des Unternehmens
- Identifizierung und Aufarbeitung von Hypotheken der Vergangenheit
- systemische Bedingungen von Unternehmenskäufen, -zusammenschlüssen und Fusionen
In Familienbetrieben:
- ob Störungen auf die Familien- oder die Managementebene zurückgehen
- Nachfolgeregelung
Auf der individuellen Ebene:
- Den eigenen Platz in einem Unternehmen bestimmen - als Mitarbeiter, Leitender oder Berater (s. Fallbeispiel)
- die Fähigkeit erlangen, eine Funktion im Unternehmen auszufüllen
- Gehen oder bleiben, bzw. einen besseren Platz finden etc.
- Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzen
- Überforderungsgefühle erklären
- Wiederkehrende Muster abstellen
© Holitzka & Remmert, systemische Organisations-Aufstellungen, Schirner Verlag, 2000